Ich habe heute Nacht wirklich gut geschlafen. So gut, dass ich als um 8.00 Uhr der Wecker klingelt noch nicht ans Aufstehen denken will. Also nochmal rumdrehen. Ich hab ja keinen Zeitdruck. Um 9.00 Uhr bin ich dann mir Frühstücken fertig und mache mich auf in die Stadt. Ich habe die Nacht am Strand des Lake Taupo verbracht. Ein wirklich schöner Platz war das.
In der Stadt suche ich nach einem Internetcafé, denn ich muss mal Berichte loswerden. Fünf Stück schlummern und warten auf die Veröffentlichung. Ich finde schließlich eins und schon beginnt das große Emailversenden. Das ist schon mal erledigt. Dann komme ich an einem Souvenirshop vorbei, der Ausverkauf hat. Da schlage ich zu. Ein sehr warmer Zipper, ein Paar Handschuhe und ein Schal für 31 Dollar (18 Euro). Schnäppchen. Jetzt kann es kalt werden.
Jetzt fahr ich tanken. Ich habe eine Tankstelle gefunden die unglaublich billig ist. Sie ist 20 Cent günstiger, als der Rest. Warum weiß keiner, aber ich kann sie empfehlen. Für einmal Volltanken bezahl ich 66 Dollar, also 36 Euro. Wieso geht das in Deutschland nicht?
Ich habe mich gestern schon informiert, was ich heute machen will. Als erstes Besuch ich die Craters of the Moon. Das ist eine Wanderung durch geothermales Gebiet, wo überall aus den Löchern der Wasserdampf entweicht. Wirklich cool das mal zu sehen. Ich lasse mir Zeit um gute Fotos zu machen. Das Vulkanische Gebiet, das in und um Taupo liegt ist entstanden, weil sich die Pazifische Platte hier unter die Indoaustralische Platte schiebt und an der Subduktionszone kommt es eben zu Vulkanausbrüchen und geothermalen Vorgängen. Es ist wirklich cool zu sehen, dass unter unseren Füssen etwas ist, was wir normal nicht sehen können, aber an diesen speziellen Orten kommt es ans Tageslicht. Man hört richtig, wie das Wasser unter der Oberfläche kocht. Besonders schön ist der Schlammkrater. Gelegentlich kommt eine Blase an die Oberfläche des Schlamms und es macht blubb. Die Maori haben früher diese Orte für kultische, medizinische, aber auch für alltägliche Dinge benutzt. Zum Beispiel um zu Kochen oder zu baden.
Jetzt überleg ich was ich heute noch machen könnte. Dann komme ich auf Colins Zettel zurück und da steht Huka Falls. Also los geht's. Diese Wasserfälle sind wirklich imposant. Der Waikato River hat hier über Tausende von Jahre sich einen Durchgang aus dem Lake Taupo heraus gegraben, ist schließlich durchgebrochen und fließt weiter Richtung Süden. Es beginnt wieder Mal mit Regnen. Nach ein paar Fotos sehe ich einen Track, der zum Staudamm nach Aratiatia führt. 2 Stunden steht an dem Schild für eine Strecke. Das ist eine Eigenart hier in Neuseeland. Alles wird in Zeiten angegeben und nicht in Kilometern. Wenn man fragt, wie weit es irgendwohin ist, bekommt man meistens als Antwort so und so viele Stunden. Puh das wird knapp noch vor der Dunkelheit wieder hier zu sein, aber die Abenteuerlust und die Herausforderung packt mich. Ich beginne also den Track und komme gut voran. Der Weg führt durch einen sehr schön bewachsenen Wald. Ich erreiche das Ziel, den Staudamm schon nach einer Stunde. An dem Schild steht 7 Kilometer. Welcher Mensch braucht für 7 Kilometer 2 Stunden?
Ein kurzer Fotostopp und schon geht es wieder zurück. Nur nicht stehen bleiben. Das Wetter hat umgeschlagen und es scheint die Sonne. Ich laufe im T-Shirt. Ich bin genau nach 2 Stunden wieder zurück und völlig durchgeschwitzt. Ich muss also jetzt nach einer Dusche Ausschau halten. Vorher besuche ich aber noch den Ort, wo ich morgen hingehen möchte. Eine Wanderung durch ein thermales Tal. Dort gibt es auch einen Campingplatz, sogar mit Dusche. Ich frage nach dem Preis und der Mann antwortet mir mit etwas Deutsch 14 Dollar. Das ist mir zu viel nur für eine Dusche, denn schließlich brauch ich keinen Campingplatz, da ich ja ein fahrendes Haus habe. Ich fahre also wieder zurück in die Stadt. Im I-site halte ich an um zu schauen, wo das YHA Hostel ist. Andere Backpacker haben mir gesagt, dass sie sich zum Duschen einfach in Hostels geschlichen haben und duschen gegangen sind. Also will ich das auch versuchen. Dann fällt mir aber noch etwas ein. Auf der Rückfahrt bin ich an einer Straße vorbei gekommen, die Spa, englisch für heiße Quelle, hieß. Ich frage und die Frau bestätigt mir, dass es eine heiße Quelle nur fünf Minuten vom Stadtzentrum gibt und die ist natürlich und kostenlos. Perfekt. Ich fahre dort hin und sehe schon wie Kondensdampf aufsteigt. Ich laufe in Badehose hinunter zu der Quelle. Draußen sind 10 Grad, also ziemlich kalt. Im Sonnenuntergang steige ich in den Fluss Waikato. Es ist einfach nur Oberhammer der Wahnsinn. Das Wasser hat schöne 40 Grad und ich lege mich rein und sehe dem Sonnenuntergang zu. Ich fühle richtig, wie die Mineralien mich wieder aufbauen. Dann gehe ich noch unter den heißen Wasserfall. Das ist mal eine Dusche mit 100 Liter heißem Wasser die Sekunde. Nach 30 Minuten bin ich vollkommen aufgewärmt und aufgeweicht. Es ist dunkel. Ich fahre zu meinem Nachtplatz von gestern. Am See koche ich mir Nudeln mit Cabonarasoße, die himmlisch schmecken, nach der Anstrengung heute. Immerhin wahren das heute wieder 20 Kilometer Wanderung und davon 15 in nur 2 Stunden. Es schaut noch routinemäßig die Polizei auf unserem Parkplatz vorbei, der auch von anderen als Schlafplatz benutzt wird. Er überprüft mein Nummernschild und ich höre nur, wie aus dem Lautsprecher des Walkytalky mein Name ertönt. Also alles in Ordnung. Ein absolut schöner Tag geht zu Ende und ich schlafe nach dem heißen Bad ziemlich entspannt ein.

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