Samstag, 19. Juni 2010

Back on the road

Ich wache nach einem erholsamen Schlaf in meinem Bett bei Chris und Kaye auf. Nach Dusche und Frühstück verabschiede ich mich von Kaye und bedanke mich nochmals recht herzlich für die Gastfreundschaft. Ich fahre zu den Thomsons und richte mein Auto wieder ein. Das dauert eine Stunde und ich mache einiges anders als vor 3 Wochen, weil ich jetzt weiß, worauf es ankommt, wenn man im Auto lebt.
Ich repariere noch Colins Trailer. Gestern habe ich die Kabel verlegt, kam aber noch nicht dahinter, welches Kabel an welchen Anschluss gehört. Mit ein bisschen probieren und nachdenken komme ich jetzt aber dahinter. Alles ist richtig angeschlossen und funktioniert. Außer das Rücklicht, das liegt aber an der Steckdose am Auto, wie ich nach einer Messung herausfinde. Ich überprüfe das noch mit einem anderen Hänger und da geht es auch nicht. Also muss Colin noch die Steckdose am Auto checken lassen, da traue ich mich jetzt nicht ran. Der Anhänger ist somit fertig und bereit für den TÜV. Mit solchen kleinen Handwerklichen Fähigkeiten kann man sich ein bisschen revanchieren für die Hilfe, die Debbie und Colin mit gegeben haben. Ich verabschiede mich von Debbie, die ihre Mutter ins Krankenhaus fahren muss. Sie hat irgendetwas Falsches vergessen, soweit ich das verstehe. Die Fachausdrücke im englischen Teil meines Gehirns wollen einfach nicht in den Schubladen bleiben wo sie rein sollen und deshalb ist es bei tiefgründigen Gesprächen oft recht schwer. Deb sagt mir das Colin jetzt auch heim kommt. Mit ihm trinke ich noch eine Tasse Kaffee und esse noch ein paar Kekse. Er zeigt mir wie ich am besten zur Fähre komme und wir tauschen Kontaktdaten aus. Es ist ein bisschen komisch die Stadt jetzt zu verlassen, wo ich jetzt fast 4 Tage hier gelebt habe und mit der Familie gelacht, gegessen und geschlafen hab. Ich mag die Thomsons wirklich sehr und es fällt ein bisschen schwer Good Bye zu sagen. Sie versprechen irgendwann in den nächsten Jahren nach Deutschland zu reisen. Sie wollen dann Lisa und ihre Eltern kennenlernen und natürlich auch mich besuchen. Ich freu mich da schon drauf. Vielleicht bin ich dann schon Ingenieur habe ein Wohnung oder ein Haus und Familie. So strickt man das Netzt seiner Kontakte um die Welt immer enger und kennt immer mehr Leute. Ich bedanke mich bei Colin und er sagt, dass ich ihm eine gute Hilfe war und wir quitt sind. Das freut mich, denn nichts ist schlimmer einen Helfer zu prellen.
Ich fahre nach Süden. Das Wetter ist schön und ich habe nur einen kurzen Stopp um verderbliche Lebensmittel, wie Milch zu kaufen. Die sollte man immer alle 3 Tage kaufen, wenn man keinen Kühlschrank hat.
In Wellington fahre ich nach Lyall Bay, einer sehr schönen Bucht. Dort bin ich mit Wolfgang Ludwig verabredet. Er ist Reichenbacher und ist in den 60ern nach Neuseeland ausgewandert. Ich kenne das Sattlergeschäft in Reichenbach und von Andreas Ludwig habe ich den Kontakt bekommen. Ich bin gespannt auf seine Geschichte. Eine Stunde früher als vereinbart klingele ich an seiner Tür. Es macht eine ältere Frau auf und wünscht mir einen Guten Tag. Ich trete ein und wir setzen uns. Die Frau heißt Joy. Dann sehe ich Wolfgang er kommt in einer Postuniform die Treppe herunter und begrüßt mich. Er sieht sportlich aus und ich schätze ihn auf 55. Wie ich später erfahre ist er 70 und kann das überhaupt nicht glauben. Wie reden und reden. Die Zeit verfliegt wie im Flug. Ich werde zu Kaffee eingeladen und dann zum Abendbrot und ehe ich mich versehe ist es dunkel und die 4 Stunden sind vorbei. Seine Geschichte ist sehr spannend. Er hat eine Schwester in Hannover und hat sie 1956 aus der DDR zweimal besucht. Beim zweiten Mal ist er nicht mehr wieder gekommen und hat im Westen gearbeitet. Er ist Polsterer. Die ganze Familie Ludwig ist also sehr eng an das Ledergeschäft geknüpft. Die Sattlerei in Reichenbach und die anderen beiden Brüder sind im Polsterer Gewerbe. Nach dem Westen ist er in die Schweiz und hat dort für 2 Jahre  gearbeitet. Er ist dann in Neapel auf ein Schiff und durch den Suez Kanal in 4 Wochen nach Australien gekommen. Das war in den 60ern. Er ist immigriert und hat überall um den Kontinent in sehr verschiedenen Branchen gearbeitet. Nach eine Jahr hat in das Heimweh gepackt und ist mit einem Frachter durch den Panamakanal in 8 Wochen zurück in die Schweiz gefahren. Dort hat er es aber nicht mehr ausgehalten und ist wieder zurück nach Australien. Er lernte Joy eine Neuseeländerin auf einem Treffen der Zeugen Jehovas kennen und die beiden verliebten sich. Er nahm die australische Staatsbürgerschaft an und die beiden zogen nach Neuseeland und leben nun seit den 70ern in Wellington, haben zwei Kinder und ein Haus. Diese Geschichte finde ich so spannend und aufregend, weil man so etwas nicht alle Tage hört. Solche Geschichten kann nur das Leben schreiben. Das ist der Stoff aus dem Filme gemacht werden. Ich erzähle ein bisschen von mir und der Familie Knabe und vor allem dem Fotogeschäft, dass er noch von meinem Opa kennt. Ich schreibe noch etwas in das Gästebuch der beiden und gebe ihnen ein Foto von mir mit einem fetten Thank you drauf.
Ich fahre auf den Mount Victoria, weil ich noch ein Nachtpanorama von Wellington machen will. Das Wetter ist perfekt dafür. Es ist sternenklar und der Mond scheint. Da ich morgen sehr früh für die Fähre aufstehen muss, schlafe ich gleich hier oben über der Stadt. Ich freu mich schon auf die Südinsel. Es ist dasselbe Land, aber die Entdeckungsreise beginnt von vorn.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen