Heute klingelt der Wecker zeitig, da wir um 6 Uhr aus dem Haus müssen. Die Anderen arbeiten heute im Shed, das ist eine Weiterverarbeitung von Mais und bekommen dort 15 Dollar die Stunde. Leider kann ich dort nicht arbeiten, weil ich keine "safty instruction" habe, erklärt mir Adam. Ich bin heute also alleine auf der Orangefarm. Also richtig ran klotzen.
Die Sonne geht gerade auf, als ich die ersten Orangen abnehme, es ist 7.30 Uhr. Nun ja alleine bin ich nicht ganz. Ein alter Mann, sicherlich Rentner pickt auch Orangen. Ach ja und dann sind da noch meine Freunde, die Spinnen. Davon gibt es hier reichlich, aber man gewöhnt sich daran. Die ersten Male erschrickt man zwar, wenn man in einen Baum greift, eine Frucht abreißt, den Arm wieder rauszieht und eine etwa 2 cm große Spinne darauf sitzt. Aber man lernt dazu und schaut ein wenig danach. Mittlerweile empfinde ich sogar ein wenig Respekt und Bewunderung für diese Tiere. Wenn man einmal zuschaut, wie diese ihr Netz knüpft. Das ist faszinieren. Woher wissen diese Tiere das?
Heute läuft es sehr gut die Bäume sind voll. Zu Mittag habe ich schon 2 Körbe. Um 15 Uhr holt mich Kerry, der Chef, persönlich ab. Ich habe 3 Körbe und noch ein wenig mehr gesammelt. Das sind etwa 1,5 Tonnen Orangen und 75 Dollar verdient. Das kann man sich kaum vorstellen. Wenn man bedenkt zu wie viel Euro ein Kilo verkauft wird, ist das schon hart, mit was man hier als Tagelöhner abgespeist wird. Rechnet es euch mal aus!
Naja nach so einem harten Tag sitze ich auf der Veranda unseres Schuppens und schaue in den Sonnenuntergang. Ein schönes Gefühl nach harter Arbeit. Das muss also der Wild West Way of Life sein, nach dem so viele Siedler im 19 Jahrhundert in Amerika gestrebt haben.
Heute sind wieder zwei Neue angekommen. Wesley und Karen. Mal schauen, wie lange die bleiben und wie lange ich noch durchhalte. Wir gehen noch Pizza essen, dann Jobangebote checken und zeitig ins Bett.

Hallo Thommy,
AntwortenLöschenDeine Berichte begeistern sehr und Du machst alles richtig. Das Leben ist hart und es ist schön zu lesen, dass Du das erkennst und Dich durchbeißt. Denke an die Ferienarbeit bei Rayonic und wieviel Respekt Du vor einem einfachen Arbeiter bekamst.
Du machst nun jene Schule durch, die Millionen vor Dir auch gemacht haben, in hunderten von Jahren. Du bist einer der Plantagenarbeiter die einen neuen Kontinent betreten haben und sich mit Hut und Hemd hocharbeiten wollen. Du bist nun einer der Baumwollarbeiter wie im Dixieland von Alabama, als später die Raketeningenieure kamen. Du formst nun eine Kultur mit. Nimm von den Einheimischen soviel mit wie Du bekommen kannst: Lieder, Sprachweisen, Spiele, Natur, Erfahrungen.
Nur die falschen Versprechen oder unrealen Vorstellungen hält Deine ehemaligen Zimmerkollegen davon ab, das Leben wirklich zu sehen. Sie leben in einer Traumwelt die weit weg ist und hasten 50 Dollar pro Stunde hinterher .... Keiner wird das verdienen, es sei denn es sind unseriöse Angebote. Diese sind im Ausland oft darauf ausgerichtet, Eure Situation auszunutzen. Wenn der Geldbeutel erst leer ist, dann ist man auch über 3 Dollar froh - und solche Angebote führen dazu. Ich habe es durch. Bleibé von so etwas weit weg.
Die Umstellung auf einen neuen Job ist immer mit Mühen verbunden. Hast Du die erste Woche geschafft, dann geht es auch körperlich aufwärts. Es ist wie bei einem neuen Sport. In der Zwischenzeit hast Du Dinge von denen wir hier Träumen. Sammle die Gerüche der Steppe, der Orangen und des Abends auf. Höre den Grillen und Vögeln zu. Betrachte die Sonnanauf- und Untergänge. Staune über die Mühe mit en Orangen die man hier aus dem Regal nehmen kann. All das sind für viele hier Träume und Du lebst sie. Nie wirst Du das wieder vergessen und lange kannst Du davon erzählen.
Ich habe auf Teneriffa mit 20 Jahren mal mein Portmonee mit Geld und Ausweis verloren und 14 Tage lang auf dem Wellblechdach eines alten Ziegenstalls geschlafen, 500 Meter über der Steilküste mit Meer. Glaube mir, alle anderen Nächte in den schicken Hotels nach nun etwa 70 Flugreisen habe ich schon vergessen - diese aber nicht. Ich habe noch heute den frischen Meeresduft, gemischt mit etwas Vulkanstaub in der Nase. Man muss das Abenteuer nur sehen.
Mein Tipp: Beeindrucke Deinen Chef mit Deiner Leistung, repariere ihm mal etwas am Jeep oder dem "Schuppen". Nur so wirst Du sein Vorarbeiter. Er ist Plantagenbesitzer und hat eine Menge Einfluss .... und Möglichkeiten. Er wird das aber nur jenen gönnen, die er in sein Herz schließt. Eintagsfliegen gehören nicht dazu.
Abbrechen wäre aufgeben. Mache es ganz nach unserem Leitsatz: "Wir tun die Dinge nicht weil sie leicht sind, sondern ...."
Gruß Ralf